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Haushaltsrede 2009 der Fraktion der Freien Wähler

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren!
Der Haushalt 2009 beginnt mit einer guten Nachricht: Mit Netto-Steuereinnahmen von fast 6,7 Mio. Euro (i.S.v. verbleibenden Deckungsmitteln) stellen wir den zweithöchsten Wert in der Geschichte in den Haushalt ein. Zum Vergleich: dies ist beinahe doppelt so viel wie noch im Haushaltsjahr 2005. Demzufolge verfügen wir auch über Einnahmen, von denen unsere Vorgänger im Amt jahrelang nur träumen konnten. Denn, dies dürfte unstrittig sein, beeinflussen können wir die Einnahmen nur begrenzt bzw. mittelbar.
Leider liegen uns – ein Problem des gesamten Haushaltswerkes – noch keinerlei vorläufige Zahlen zu 2008 vor, so dass wir nur gegenüber Planwerte des Vorjahres vergleichen können. Die Fraktion der FW beantragt, dass dies mit dem nächsten Haushalt dahingehend geändert wird, dass zumindest als Anlage die vorläufigen Ist-Zahlen des Vorjahres mit zur Verfügung gestellt werden.
So können wir aus dem Haushalt 2009 nur eine Ist-Zahl für 2008 entnehmen, die der Gewerbesteuereinnahmen. Diese lagen mit rund 4 Mio. Euro auf einem historischen Hoch, mehr als doppelt so hoch wie noch in den Haushaltsjahren 2002 bis 2005, und auch um rund 1,6 Mio. Euro über dem Haushaltsplanwert für 2008 (S. 13). Dies wird sich in der Jahresrechnung 2008 und beim Schuldenabbau positiv bemerkbar machen. Unser Dank gilt den gewerbesteuer­zahlenden Unternehmen unserer Stadt.
Bei all den frohen Nachrichten zur Einnahmeentwicklung muss jedoch angemerkt werden, dass die Gewerbesteuereinnahmen für 2009 nur noch mit 1,6 Mio. Euro (S. 13) angesetzt wurden – ein Spiegel der aktuellen Wirtschaftskrise. Dass dennoch ein so hoher Wert an Deckungsmitteln verbleibt, liegt daran, dass die Schlüsselzuweisungen an Furth um 1,4 Mio. Euro ansteigen werden, wohingegen die abzuführende Kreisumlage um rund 900.000 Euro  (S. 13) sinkt. Unser Glück für 2009.
Wie gewonnen, so zerronnen, könnte es jedoch für die Einnahmen im Jahr 2010 lauten. Sollte die Konjunktur nicht schnell anziehen, drohen empfindliche Einnahmeausfälle. Denn bereits der Haushalt 2009 weist darauf hin, dass die guten Gewerbesteuereinnahmen des Jahres 2008 dazu führen werden, dass uns in 2010 rund 1,3 Mio. Euro an Schlüsselzuweisungen gegenüber dem Vorjahr fehlen werden. Und auch bei der Kreisumlage dürfte Vorsicht angebracht sein, so dass wir – bei konservativer Planung – damit rechnen müssen, dass 2010 ein auf der Einnahmeseite wesentlich schwierigeres Jahr werden wird. Um die Ernsthaftigkeit des Ausblicks zu verdeutlichen: fehlende Deckungsmittel von 1,3 Mio. Euro würden rund 20% weniger verfügbare Mittel für den Haushalt gegenüber 2009 bedeuten.
Ich darf deshalb als Fazit zur Einnahmesituation festhalten:

  1. Wir haben seit dem Jahr 2007 eine für Further Verhältnisse durchwegs sehr gute Einnahmesituation, die beste Phase seit Jahren. Auch das Haushaltsjahr 2009 wird – trotz schlechter Gewerbesteuereinnahmen – ein sehr gutes Jahr bei den Einnahmen (i.S.v. Deckungsmitteln) werden, wenn die Planansätze erreicht werden.  Mit 2009 werden jedoch unsere vergleichsweise „fetten drei Jahre“ alles Voraussicht nach vorbeisein.
  1. Bereits heute zeichnet sich ab, dass das Jahr 2010 deutlich schlechter sein wird. Die Warnungen sind bereits im Haushalt nachzulesen. Es wird die Pflicht dieses Stadtrates sein, frühzeitig Vorsorge hierzu zu treffen.  In der nächsten Haushaltsberatung im April 2010 wird es dafür zu spät sein.

 

Nun zu den Ausgaben im Verwaltungshaushalt:
 „Haushaltskonsolidierung“, ein Wort das immer wieder bemüht wird, sollte sich vor allem dadurch zeigen, dass die Ausgaben im Verwaltungshaushalt auf ein notwendiges Mindestmaß beschränkt und unnötige Kostensteigerungen vermieden werden. Inwiefern wird der Haushalt 2009 diesem Anspruch, der mit dem Begriff „Konsolidierungskurs“ verbunden ist, denn gerecht?
Beginnen möchte ich mit der, gemessen an Höhe und Bedeutung wichtigsten Ausgabenposition, den Personalaufwendungen.
Der Personalstand der Stadt Furth betrug im Jahr 1999 noch 76 Mitarbeiter und nahm bis 2005 auf 69 Mitarbeiter, also um 7 Mitarbeiter ab. Seitdem (einschließlich HH 2009)  wurden nur noch drei Stellen abgebaut – und dies trotz Schließung von Musik- und Volkshochschule im Jahr 2007. Und – auch das dürfte viele überraschen – in 2009 bauen wir sogar wieder Personal auf, der Personalstand steigt gegenüber 2008 um rund 1 Stelle im Stellenplan Stand letzter Woche.  Ein Konsolidierungskurs ist aus der Personalentwicklung für 2009 also nicht abzuleiten.
Korrespondierend die Entwicklung bei den Personalaufwendungen. Diese steigen um mehr als 400.000 Euro innerhalb eines Jahres, dies entspricht einem Anstieg von 12%. Auch bereinigt um Einmaleffekte ergibt sich immer noch ein Anstieg von 7%.
Nicht akzeptabel ist für uns ebenso, dass sich in einem Stellenplan plötzlich neue Stellen wiederfinden, über die im Stadtrat noch niemals beraten wurde und deren Notwendigkeit deshalb auch in Frage gestellt werden muss.
Die Fraktion der Freien Wähler empfiehlt deshalb dringend, im Stadtrat eine mittelfristige Personalplanung zu entwickeln und den notwendigen Stellenbedarf zu ermitteln. Nur weil wir momentan eine komfortable Einnahmensituation haben, können wir uns noch lange keinen höheren Personalstand leisten. Vorausschauend handeln heißt, in guten Zeiten Kosten zu senken, um auf Krisenzeiten vorbereitet zu sein.
Zur Personalsituation allgemein ist noch anzumerken:
1. Der mittlerweile ständig hohe Krankenstand in der Verwaltung ist für uns beängstigend.  Uns stellt sich die Frage nach der Ursache hierfür.
2. Wenn, wie kürzlich bei der Einstellung von Mitarbeitern geschehen, in Furth bereits vor Ende der offiziellen Bewerbungsfrist bekannt wird, wer demnächst bei der Stadt anfängt, dann wirft dies die Frage nach dem Ablauf von Bewerbungsverfahren und einer unvoreingenommenen Bewerberauswahl auf.
Auch die zweitbedeutendste Ausgabenart, die sächlichen Verwaltungs- und Betriebsaufwendungen, weisen eine bemerkenswerte, um nicht zu sagen besorgniserregende Entwicklung auf. Sie steigen seit dem Jahr 2006 kontinuierlich an: von 1,9 Mio. Euro in 2006 über 2,3 Mio. Euro in 2007, 2,7 Mio. Euro in 2008 auf 3,3 Mio. Euro in 2009 – bereinigt um Einmaleffekte auf „nur“ 2,9 Mio. Euro.  Wie bitte sollen wir bei einer solchen Kostenentwicklung de Bürgerinnen und Bürgern erklären, wir betrieben einen strikten Sparkurs? Wie soll man in einer solchen Ausgabenentwicklung - +54% in drei Jahren - einen Konsolidierungskurs erkennen können? Auch hierzu hat der Stadtrat noch in keiner Sitzung beraten.
Auch ein Blick auf einzelne Maßnahmen der Haushaltskonsolidierung sei gestattet:
Ab 2007 hat man sich durch das organisatorische Zusammenlegen von Bauhof und Friedhof Effizienzgewinne versprochen. Wenn wir die Haushaltsstelle des Bauhofs betrachten, so müssen wir jedoch feststellen, dass nicht nur die Ausgaben, sondern auch das Defizit auf der Haushaltstelle deutlich, genauer gesagt letzteres um 113.000 Euro angestiegen sind.
Zum Vergleich: diese Defizitsteigerung beim Bauhof „frisst“ deutlich mehr auf als wir durch die Schließung der Volks- und Musikschule jährlich eingespart  haben. Insofern bringen damals heiß diskutierte und als immens wichtig dargestellte Konsolidierungsmaßnahmen weniger als wir in zwei Jahren an Defizitsteigerung im Bauhof erfahren müssen – ohne dass dies bislang auch nur in einer Stadtratssitzung erwähnt oder gar beraten wurde.

Ein anderes Beispiel aus dem Verwaltungshaushalt: Fremdenverkehrsförderung.
Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband hat in seinem Prüfungsbericht seinerzeit beanstandet, dass die Stadt Furth im Wald einerseits sehr hohe Defizite und einen sehr hohen Personalstand in den Bereichen Tourismus / Kultur habe, andererseits nicht alle Einnahmemöglichkeiten ausschöpfe, darunter auch die Fremdenverkehrsabgabe.
Der Haushalt 2009 beinhaltet nun die Fremdenverkehrsabgabe mit einem Ansatz von 50.000 Euro, der auch auf der Haushaltsstelle Fremdenverkehr (7901) ausgewiesen ist. Wer erwartet, dass durch diese Einnahmemehrung das Defizit im Fremdenverkehr gesenkt werden kann, wird im Haushalt 2009 eines besseren belehrt. Das Defizit steigt auf den Wert von TEUR 170 an, denn auch die Ausgaben erreichen einen historischen Rekordwert in 2009.
Um Missverständnisse zu vermeiden:
Dies ist keine Fundamentalkritik an der Förderung des Fremdenverkehrs, die unsere Stadt betreibt. Gerade mit dem Drachensee und bald dem neuen Drachen werden sich neue Potentiale für den Fremdenverkehr in Furth im Wald auftun. Allerdings müssen wir dann auch unseren Bürgern sagen: das alles kostet richtig Geld. Wir konsolidieren dann auch nicht bei den Ausgaben, sondern wir erhöhen die Ausgaben in der Hoffnung, indirekt vom hoffentlich wachsenden Fremdenverkehr in Furth zu profitieren.
Gerade bei einer Haushaltsrede muss ich jedoch dann auch noch folgendes anmerken:
Herr Bürgermeister Müller hat seinerzeit beim Dienstantritt von Herrn Jürgen Friedl in der Presse verlautbaren lassen, dass das „Tourismuskonzept“ alsbald der Bevölkerung im ATT vorgestellt werde. Kollege Mühlbauer hat kürzlich im Hauptausschuss angeregt, dass das Tourismuskonzept durch Herrn Friedl zumindest dem Stadtrat vorgestellt werde. Beides ist bis heute nicht geschehen. Die Aussage, der neue Drache sei das Konzept, genügt uns nicht.
Als Fraktion erwarten wir, dass folgende Reihenfolge eingehalten wird: 1. Zuerst wird das Konzept vorgestellt – und unter Konzept verstehen wir mehr als ein paar Floskeln oder einen kurzen mündlichen Vortrag im Stadtrat, sondern schon einige Seiten Text schwarz auf weiß mit Substanz, dann wird 2. das Konzept im Stadtrat diskutiert und erörtert, und wenn wir dann überzeugt sind, dann können wir guten Gewissens – wenn es die Haushaltslage zulässt – auch 3. die Mittel für den Fremdenverkehr im Haushalt erhöhen. Diese Reihenfolge wird leider bislang nicht eingehalten. Dies kritisieren wir und mahnen wir zur Verbesserung an. Denn handelt es sich hierbei doch um eine Kernaufgabe des Stadtrates, nämlich die der Beratung, die hier nicht im notwendigen Maße praktiziert wird.
Eng verknüpft mit dem Fremdenverkehr ist natürlich auch der Drachenstich. Für die Defizitdeckung 2009 sind 50.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Auch hierzu muss  angemerkt werden, dass der Stadtrat keinerlei Zahlen zu den vergangenen Jahren 2006, 2007 und 2008 kennt. Wir sind jedoch skeptisch, dass der Haushaltsansatz für 2009 ausreichen wird, wenn wie angekündigt die Verrechnungssätze des Bauhofs deutlich nach oben angepasst werden und damit die vom Bauhof für den Drachenstich-Verein erbrachten Leistungen auch deutlich teurer werden als in der Vergangenheit.
Die Stadt Furth im Wald zahlt also, ohne dass der Stadtrat, auch nicht der Drachenstichfestausschuss – denn der hat wohl seit 2007 nicht mehr getagt – aussagefähige Daten hat. Auch hier gilt: es ist nicht nur eine Zahl vorzulegen, z.B. das Defizit, sondern ein umfänglicher Bericht, der wichtige Informationen wie Besucherzahlen, Auslastung, Einnahmen, Merchandising, Ausgaben usw. enthält. Ich bin mir sicher, dass Herr Jürgen Friedl die Daten alle parat hätte. Laden Sie ihn, Herr Bürgermeister Müller, doch ein, diese im Stadtrat zu präsentieren.
Angesichts der Tatsache, dass es sich beim Drachenstich um ein Volksschauspiel handelt, das wie kein zweites von der Bevölkerung mitgetragen wird, wäre es auch mehr als angebracht, ihr gegenüber Transparenz an den Tag zu legen. Denn diese zahlt am Ende auch das Defizit. Auch der Ankündigung von Herrn Bürgermeister Müller aus dem April 2008, der Stadtrat werde sich im Herbst 2008 mit der zukünftigen Organisationsstruktur des Drachenstichs befassen, folgten keine Taten. Der Stadtrat war damit bis heute nicht befasst.
Und zur Fremdenverkehrsabgabe gilt es festzuhalten, dass wir bis heute nicht die endgültigen Vorteilssätze verabschiedet haben, sondern die Vorteilssätze nur für Zwecke der Vorauszahlungsbescheide beschlossen wurden. Dies gilt es also im Stadtrat noch zu behandeln.
Wir sagen als Fraktion auch klar, wo uns Akzente im Verwaltungshaushalt fehlen. Der gesamte Komplex der städteplanerischen Entwicklung kommt darin nicht vor. Und wenn, wie vor wenigen Tagen in der Presse zu lesen war, eine kleine Gemeinde wie Blaibach 60.000 Euro Zuschuss für ein integriertes städteplanerisches Konzept aus dem Städtebauförderungsprogramm erhält, dann ist es für uns auch nicht ersichtlich, warum wir als Kommune es nicht schaffen sollten, in die entsprechenden Programme reinzukommen und auch davon zu profitieren. Angesichts der bald realisierten Südumgehung haben wir genügend Aufgabenstellungen, die es zu beleuchten gälte.
Auch der Agenda 21-Prozess kann hier Impulse setzen, weshalb wir auch vorschlagen, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen regelmäßig ihre Ergebnisse im Stadtrat präsentieren sollen. Die Haushaltsmittel für den Agenda 21-Prozess tragen wir aufgrund der zu erwartenden Ergebnisse auch selbstverständlich mit. Wir sagen aber auch, dass der Agenda 21-Prozess keinen Stadtrat von seiner Verantwortung und Pflicht entbindet, sich um die Zukunft unserer Stadt Gedanken zu machen, einen „Alleinvertretungsanspruch“ des Agenda-21-Prozesses kann und darf es nicht geben. Wir verstehen deshalb auch nicht die Aufregung um zwei Veranstaltungen, die teils zu einem pauschalen Abtun von dem führte, was in diesen Runden diskutiert wurde.
Anstand und gegenseitiger Respekt gebieten es, sich die Vorschläge doch dann erst einmal anzuhören ohne sie vorab zu kommentieren. Wir haben es im Finanzausschuss entsprechend vorgetragen. Ich darf auch daran erinnern, dass wir die Vorschläge anderer Fraktionen oder von Herrn Bürgermeister Müller  – ich erinnere beispielhaft an die Städtepartnerschaft mit Brasilien, das Parkhaus beim Späth Bräu oder die Drachen­eventhalle, nicht kommentiert haben.
Ich darf unser Fazit zur Ausgabenentwicklung im Verwaltungshaushalt wie folgt zusammenfassen:
1. Eine Erhöhung des Personalstands bei der Stadt Furth wie sie geplant ist beurteilen wir äußerst kritisch, da sie nicht im Einklang mit den Konsolidierungsbemühungen früherer Jahre steht. Dies ist auch deshalb so kritisch zu sehen, da wir heute bereits wissen, dass wir in den nächsten Jahren deutlich weniger Geld zur Verfügung haben werden.
2. Die Kostensteigerungen bei wichtigen Kostenarten (Sach- und Betriebsaufwand) und auf einigen Haushaltsstellen sind für uns nicht akzeptabel. Hier gilt es im Stadtrat intensiv zu beraten und gemeinsam nach Kostensenkungspotentialen zu suchen.
3. Der Stadtrat beschließt den Haushalt. Akzente, wo man sie auch immer setzen will, müssen deshalb im Gremium intensiv vorberaten werden. Einfach die Kostenansätze zu erhöhen, ohne dass im Stadtrat jemals die Konzepte vorgestellt und erörtert wurden, wird von uns nicht akzeptiert.
4. Haushaltskonsolidierung erfolgt im Haushalt 2009 nicht über die Ausgabenseite, sondern über eine glückliche Einnahmesituation. Denn unsere Ausgaben im Verwaltungshaushalt steigen deutlich an.

Im Vermögenshaushalt finden sich die für das Jahr 2009 vorgesehen Investitionen. Nachdem in den vergangenen Monaten immer wieder betont wurde, die Stadt Furth im Wald müsse sich auf die Pflichtaufgaben konzentrieren, beurteilen wir den Haushaltsentwurf auch anhand dieses Kriteriums:
Das Investitionsvolumen von 2,8 Mio. Euro erscheint auf den ersten Blick erfreulich hoch. Doch wofür werden die Mittel im Detail eingesetzt?
Drachenstich – 1,1 Mio. Euro:
Ich stelle zunächst fest, dass es sich bei dieser Haushaltsposition um keine Investition handelt. Denn es werden lediglich die in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Defizite haushaltstechnisch abgewickelt. Die Maßnahme ist notwendig, sie ist jedoch keine Pflichtaufgabe.
Drachensee Parkplatz und DLRG-Gebäude:
Hierfür sind im Haushalt rund 820.000 Euro vorgesehen, die zu 75% über EU-Fördermittel finanziert werden. Abgesehen davon, dass das ewige Thema Drachensee endlich ein positives Ende findet, sind die Maßnahmen sicherlich sinnvoll und notwendig. Wenn man´s genau nimmt, stellen jedoch auch sie Pflichtaufgabe einer Stadt dar.
Die Gemeinden im Umland investieren klug in ein Radwegenetz, wir leider primär in einen Parkplatz. Zudem ist das Nutzungskonzept für die Seebühne – einschließlich einer Reihe technischer Details – unserer Fraktion bis dato unbekannt.
Krankenhaus-Umbau: 270.000 Euro
Im Februar 2007 hieß es, dass die Bettenstillegungsprämie, rund 500.000 Euro, an die Stadt bezahlt und dem BRK als einzige Leistung für den Umbau des Krankenhauses in ein Pflegeheim zur Verfügung gestellt werde. Damit seien die Aufwendungen der Stadt abgedeckt, es entstünden keine weiteren Kosten. Wie der Haushalt 2009 jedoch zeigt, kommen weitere Kosten auf die Stadt zu, die mit Umbaumaßnahmen für die BRK-Nutzung zusammenhängen. Und – nicht zu vergessen – auch im Verwaltungshaushalt, auch bei den laufenden Ausgaben, sind dazu erhebliche Mittel angesetzt, die noch gedanklich hinzukommen, da sie wohl nur teilweise auf die Mieter umgelegt werden können.
Hier sei auch kurz auf das Kommunalunternehmen St. Georg eingegangen. Es ist faktisch richtig, dass es nicht Teil des städtischen Haushalts ist, da es sich aber um eine 100%-ige Tochter der Stadt Furth im Wald handelt, darf unserer Meinung nach der Stadtrat nicht außen vorgelassen werden. Wenn der Stadtrat schon einer Defizitübernahme von 1,5 Mio. Euro zustimmt hat, weil offensichtlich wirtschaftliche Nöte bestehen, dann sollte er wenigstens über die Zahlen beim Kommunalunternehmen aufgeklärt werden. Wir fordern deswegen zum wiederholten Male eine Sitzung des Stadtrats, in der die Aufklärung erfolgt und die Jahresabschlüsse 2006, 2007, 2008 und der Wirtschaftsplan 2009 vorgelegt werden. Im übrigen wurde dies auch vergeblich vom Verwaltungsratsmitglied Mühlbauer angemahnt – dort ist der Mangel an Information genauso groß. Orientieren wir uns doch am Kreistag, der sehr ausführlich die wirtschaftliche Entwicklung der Kreiskliniken verfolgt und diskutiert, da er letztlich die Defizite ausgleichen muss.
Brücke zum ATT – 250.000 Euro
Diese Maßnahme steht im direkten Zusammenhang mit den Plänen eines dem Stadtrat nach wie vor völlig unbekannten Investors, in Furth im Wald ein Hotel zu errichten. Auch wenn wir fraktionsübergreifend ein derartiges Hotelprojekt begrüßen und unterstützen, handelt es sich bei dieser konkreten Maßnahme eindeutig um eine Subvention, die kein anderes Hotel und auch kein anderes Unternehmen in Furth in vergleichbarem Maße erhält oder in den letzten Jahren erhalten hat. Es gehört somit definitiv nicht zu den Pflichtaufgaben einer finanzschwachen Kommune wie Furth.
Unsere Hauptbedenken gehen jedoch dahin, dass der Stadtrat bislang nur „häppchenweise“ mit der Angelegenheit befasst wurde und das Gesamtkonzept mit allen finanziellen und organisatorischen Auswirkungen auf die Stadt uns nicht bekannt ist. Ohne im Detail darauf eingehen zu wollen, stellen sich uns doch eine ganze Reihe von Fragen, die beispielsweise betreffen:

  1. Konsequenzen einer gemeinsamen Nutzung von Hallenbad und Sauna durch Hotel, Schulen und Öffentlichkeit (Öffnungszeiten, Schließung Juli/August)
  2. Kosten eines eventuell notwendigen Umbaus von Hallenbad und Sauna („Wellness-Bereich“ eines Hotels)
  3. Etwaige Folgekosten aus dem Projekt, z.B. Ersatz für DLRG-Gebäude und Erschließung der Brücke, d.h. Bau der Straße bis zur Brücke
  4. Risiko von Mehrkosten beim Brückenbau – wir erachten die 250.000 Euro als sehr optimistischen Ansatz
  5. Zerstörung eines für die Stadt sehr wichtigen Grünzugs und Naherholungsgebietes, das dann auch für andere Veranstaltungen – aktuell die Further Messe – verloren sein wird.

Unsere Forderung geht dahin, dass es eigentlich nicht sein kann, dass isoliert einzelne Maßnahmen wie die Brücke dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt werden. Es macht nur Sinn, das Gesamtpaket ausgiebig zu diskutieren mit der klaren Zielsetzung, für beide Parteien zu einer vernünftigen Lösung zu kommen.
Bei aller Euphorie. Wir dürfen nicht den Fehler machen und uns mit Hurra in ein finanzielles Abenteuer stürzen. Wir fordern eine offene Diskussion im Stadtrat und warnen gleichzeitig davor kritische Stimmen und Bedenkenträger von vorneherein als „ewig Gestrige“ abzustempeln oder in Schubladendenken wie „für das Hotel“ oder „gegen das Hotel“ zu verfallen.
Parkplatz Bahnhofstraße:
Wie der Stadtrat bis heute ausschließlich der Presse entnehmen konnte – ohne sie wüssten wir von gar nichts – steht der Skater-Park in den Sternen. Weiterhin macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, auf lediglich gepachtetem Grund zu investieren und für 10.000 € einen Parkplatz zu asphaltieren. Im Zweifel müssen wir bei Beendigung des Pachtvertrages die asphaltierte Fläche zurückbauen. Wir halten deshalb die 10.000 Euro auf diesem Grundstück für falsch investiertes Geld.
Dies sind neben einigen Standardinvestitionen die größten Investitionsvorhaben. Pflichtaufgaben: Fehlanzeige.
Welche Maßnahmen fehlen im Haushaltsentwurf?
Mittel für Straßensanierungen
Der Haushalt enthält außer den lfd. Ausgaben für Unterhalt in Höhe von 160.000 Euro keinerlei weitere Maßnahmen. Mit Fotos von Schlaglöchern in Furth ist seinerzeit gegen den alten Stadtrat der Vorwurf erhoben worden, dass dieser notwendige Investitionen nicht durchgeführt hätte. Dem Bürger wurde im Wahlkampf jedoch nicht vermittelt, dass er es sein wird, der die Straßensanierung über Straßenausbaubeiträge hauptsächlich zahlt, nicht der städtische Haushalt. Trotz der nur noch formal ausstehenden Verabschiedung der Straßenausbaubeitragssatzung, trotz einer sehr guten Einnahmesituation unterscheidet sich der Haushalt 2009 nicht von den Haushalten der Vergangenheit. So könnte beim Bürger der Eindruck entstehen, dass das im Wahlkampf so wichtige Thema nun nicht mehr eilt, nun plötzlich nicht mehr zu den vordringlichen Aufgaben gehört. Um dies zu vermeiden schlägt die Fraktion der Freien Wähler vor, 1. zeitnah die Straßenausbaubeitragssatzung zu verabschieden, 2. öffentlich eine Prioritätenliste mit Zeitplan der zu sanierenden Straßen zu verabschieden, so dass die Bürger sich auf die Sanierungen einstellen und eigenes Geld zurücklegen können, 3. in einem Nachtragshaushalt 2009 Mittel für erste Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Eine Gegenfinanzierung könnte über zu erwartende Mehrerlöse aus dem Verkauf von Grundstücken im Baugebiet am Eichert erfolgen. Im Übrigen: auch die mittelfristige Investitionsplanung im Haushalt enthält keinerlei Mittel für diesbezügliche Investitionsvorhaben und ist deshalb anzupassen. Denn dies ist eine echte Pflichtaufgabe einer Kommune.
Sanierung Kläranlage
Im Haushalt 2009 sind keine Mittel für die Planungskosten eingestellt. Dies liegt daran, dass die Haushaltsmittel von 2008 nicht verbraucht wurden, denn mit der Planung konnte noch nicht begonnen werden. Die seinerzeitige Vergabe der Planung ohne Ausschreibung – trotz mahnender Stimmen – war ein Fehlschlag. Deswegen muss jetzt erst eine Ausschreibung hierzu erfolgen. So eilig scheint das Vorhaben also doch nicht zu sein, als dass man sich diese Verzögerung nicht hätte leisten können.
Wir sollten den Bürgern auch nicht verschweigen, dass auch bei dieser Pflichtaufgabe gilt, dass diese nicht primär den Haushalt der Stadt Furth, sondern den Geldbeutel der Bürger belasten wird. Deswegen fordern wir auch hier frühzeitige Informationen für alle Bürger, die einen verbindlichen Zeitplan und Beispielrechnungen beinhalten. Auch die mittelfristige Finanzplanung, die immerhin bis 2012 geht, beinhaltet hierzu keinerlei Mittelansätze.
Sanierung Grund- und Hauptschule
Auch hierzu finden sich im Haushalt 2009 keine Mittel, da die Haushaltsmittel aus 2008 nicht verbraucht und lediglich übertragen wurden. Im Klartext: In Sachen Schulsanierung sind weder für 2009, noch in der Finanzplanung für 2010 Haushaltsmittel vorgesehen. sind wir 2008 nicht entscheidend vorangekommen. Auch für 2010 sind keine Mittel in der Finanzplanung eingestellt,  erst je 2,5 Mio. Euro für 2011 und 2012. Wenn man der Finanzplanung glauben darf, ist also mit einem Beginn der Schulsanierung frühestens in 2011 – nach dann fast fünf Jahren Planung – zu rechnen. Nach den optimistischen Presseankündigungen der letzten Monate wird dies für manchen ernüchternd sein. Wir fordern deswegen, endlich einen verbindlichen Zeitplan für die Schulsanierung auszuarbeiten und  im Stadtrat zu beraten.
Zum Schuldenstand im voraussichtlichen Finanzstatus der Stadt per 31.12.2009:
Der Haushaltsansatz beinhaltet einen Schuldenrückgang gegenüber 2008 um rund 600.000 Euro auf dann 17,4 Mio. Euro. Kassenkredite und die o.g. potentiellen 1,5 Mio. Euro Schulden beim Kommunalunternehmen St. Georg sind darin nicht enthalten. Wir sind uns alle diesbezüglich einig: jeder Euro weniger Schulden ist gut für Furth. Aber, und dies haben wir ausführlich dargestellt,  für den Schuldenabbau der letzten Jahre sind im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich: 1. Bedarfszuweisungen i.H.v. 4,9 Mio. Euro bis Ende 2009, die zum Schuldenabbau einzusetzen sind, 2. die Veräußerung von Vermögenswerten, sprich der städtische Wohnungsbestand und das Baugebiet am Eichert, die sich bis Ende 2009 auf 1,5 bis 2 Mio. Euro belaufen wird, und 3. die glückliche Einnahmesituation der letzten Jahre. Auf eine konsequente Sparpolitik ist der Schuldenabbau gewiss nicht zurückzuführen. Und ohne die Bedarfszuweisung im Jahr 209 würden wir nicht Schulden ab-, sondern aufbauen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Sie haben kürzlich im Bayerwald Echo ihr Jahresziel 2009 mit „Haushalt konsolidieren, Investitionsstau abbauen und Furth lebens- und liebenswert machen.“  bezeichnet.
Mit dem vorgelegten Haushaltsentwurf werden Sie zwei Ihrer Ziele, nämlich Haushaltskonsolidierung und Abbau des Investitionsstaus verfehlen bzw. nicht voranbringen.
Eine Haushaltskonsolidierung im eigentlichen Sinne erfolgt nicht, da weder Sparwille noch Sparerfolg bei den Ausgaben im Verwaltungshaushalt erkennbar sind. Im Gegenteil: unsere Ausgabenentwicklung ist besorgniserregend, v.a. angesichts der zu erwartenden drastischen Einnahmerückgänge. Sehenden Auges konterkarieren wir damit die Sparbemühungen früherer Jahre.
Auch hinsichtlich des Abbaus des Investitionsstaus werden Sie mit diesem Haushalt Ihr Jahresziel nicht erreichen, erfolgen doch keine nachhaltigen Investitionen bei den Pflichtaufgaben einer Kommune. Dem Abbau des Investitionsstaus, wie er von Ihnen in der Vergangenheit immer wieder definiert wurde, kommen wir damit kurz- und mittelfristig nicht näher.
Eine generelle Verweigerung der Zustimmung zum Haushalt liegt der Fraktion der Freien Wähler fern. Nichtsdestoweniger sind unsere Kritikpunkte am Haushalt schwerwiegend, weswegen auch Mitglieder unserer Fraktion dem Haushalt die Zustimmung verweigern werden.
Für mich persönlich sind neben inhaltlichen Aspekten, auf die ich ausführlich eingegangen bin, auch formale Aspekte, das Prozedere betreffend, von Bedeutung. Wir haben am Gründonnerstag einen Haushaltsentwurf beraten, der noch unvollständig war und beispielsweise den Stellenplan nicht beinhaltete. Wir haben mit der Ladung zu dieser Sitzung einen Stellenplan erhalten, der allerdings schon beim Drucken durch die zwei Tagesordnungspunkte des heutigen nicht-öffentlichen Teils der Sitzung überholt war. Ferner hat es im Vorfeld der Haushaltsaufstellung keinerlei vorberatende Sitzungen des Stadtrates gegeben.
Unabhängig vom Abstimmungsverhalten legt die Fraktion der Freien Wähler Wert darauf, dass unsere Anregungen aufgenommen und im Stadtrat die vielen offenen Themen endlich eingehend diskutiert und beraten werden.
Viel wichtiger wird für uns der Haushalt 2010 werden. Wir werden es nicht mittragen, wenn in einem Jahr an selber Stelle dann aufgrund der plötzlichen Einnahmeausfälle ein Klagelied gesungen wird. Stadtrat und  Bürgermeister sind vielmehr in den nächsten Monaten bereits gefordert, Vorsorge zu treffen, d.h. alle Haushaltsstellen und Kostenarten auf Einsparmöglichkeiten hin zu untersuchen und damit echte Haushaltskonsolidierung zu betreiben.
Der Stadtrat wird dabei die Mitarbeit all seiner Mitglieder benötigen. Es kann nicht sein, dass Besprechungen zum Haushalt mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung angesetzt werden, zu denen alle Fraktionen mit dem Bürgermeister zusammentreffen, und die Fraktion der Freien Wähler nicht eingeladen wird. Geradezu absurd wird es, wenn, wie auf meine Nachfrage bei Herrn Bürgermeiser Müller geschehen, solche Runden mit Verwaltungsangestellten dann als private Treffen tituliert werden. Als ob städtische Bedienstete in ihrer Freizeit über Details des Haushalts plaudern würden.
Herr Bürgermeister Müller, es ist Ihre Aufgabe alle Fraktionen in die Stadtratsarbeit vollumfänglich einzubinden. Es ist Ihre Pflicht, eine Gleichbehandlung der Fraktionen zu gewährleisten und zu praktizieren. Es ist Ihre Verantwortung, das vielzitierte Miteinander endlich in die Tat umzusetzen. Wir bieten unsere Zusammenarbeit an.
Abschließend danken möchten wir den Mitarbeitern der Stadtverwaltung für die Erstellung des Haushalts und die Vorbereitung der Haushaltssitzung.

Karl Macharowsky